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Gründer-Duos in Agenturen: Warum manche Teams funktionieren und andere sich zerlegen

Joram Höfs
Joram Höfs
8 Min. Lesezeit

65% aller Startups scheitern an Co-Founder-Konflikten. Aber nicht weil die Gründer zu unterschiedlich sind. Sondern weil sie zu ähnlich sind. In Agenturen ist dieses Muster besonders brutal: Wer macht Sales, wer Delivery, wer Strategie? Wenn beide dasselbe wollen, gewinnt keiner.

Die unbequeme Wahrheit: Harmonie fühlt sich gut an. Aber Harmonie skaliert nicht.

Warum Gründer-Duos in Agenturen anders ticken als in Startups

Agentur bedeutet immer zwei Seiten: Client-Facing und Delivery. Jemand muss Kunden gewinnen. Jemand muss liefern. Es gibt kein Produkt, hinter dem sich beide verstecken können.

In einem SaaS-Startup kannst du dich auf das Produkt fokussieren und hoffen, dass Product-Market-Fit den Rest erledigt. In einer Agentur merkt dein Kunde sofort, wenn die Führung nicht aufgeräumt ist. Er merkt es am Briefing. Am Projektmanagement. An der Kommunikation. An der Rechnung.

Die typische Konstellation klingt simpel: einer verkauft, einer liefert. Aber was passiert, wenn beide verkaufen wollen? Oder wenn beide liefern wollen und keiner den Hörer in die Hand nimmt?

Die Frage ist nicht ob ihr euch ergänzt. Die Frage ist ob ihr wisst, WO.

Die 4 Gründertypen und warum dein Co-Founder dich wahnsinnig macht

Die meisten Gründer-Duos reden über Strategie, Kunden oder den nächsten Hire. Aber sie reden nie über ihre eigenen unternehmerischen Rollen. Dabei ist genau das der Hebel.

Im CORE-Modell gibt es vier Gründertypen. Keiner ist besser oder schlechter. Aber jeder hat eine klare Funktion, und jeder wird wahnsinnig, wenn jemand anderes seine Funktion ignoriert.

Constructor will Systeme bauen. Strukturen, Prozesse, Wiederholbarkeit. Er stört sich daran, wenn sein Partner spontan Zusagen macht, die kein bestehendes System abbilden kann. Sein Reflex: Kontrolle.

Operator will optimieren. Er nimmt bestehende Prozesse und macht sie effizienter. Er wird wahnsinnig, wenn sein Partner ständig neue Ideen einbringt, statt bestehende Projekte fertigzumachen. Sein Reflex: Stabilisieren.

Rainmaker will Deals machen. Beziehungen, Umsatz, Wachstum. Er versteht nicht, warum sein Partner nicht einfach mitgeht, wenn ein fetter Auftrag winkt. Sein Reflex: Ja sagen und dann klären.

Explorer will Neues ausprobieren. Neue Märkte, neue Formate, neue Positionierung. Er fühlt sich eingeengt, wenn sein Partner nur auf Effizienz und Wiederholbarkeit setzt. Sein Reflex: Aufbrechen.

Jeder Typ ist in seiner Agentur Inhaber Rolle stark. Das Problem entsteht, wenn beide denselben Stuhl wollen. Oder wenn eine Rolle komplett unbesetzt bleibt.

Und hier liegt der Unterschied zu einem klassischen Persönlichkeitstest für Selbstständige wie DISC oder CliftonStrengths:

Es geht nicht um Persönlichkeitseigenschaften. Es geht um unternehmerische Rollen. Um die Frage, wer welchen Stuhl im Unternehmen besetzt. Das ist eine DISC Test Alternative, die auf Gründerentscheidungen ausgelegt ist, nicht auf Teambuilding-Workshops.

Kombinationen die funktionieren und warum sie sich trotzdem unbequem anfühlen

Jetzt wird's konkret. Welche Kombinationen funktionieren? Und welche nicht?

Constructor + Rainmaker: Die Skalierungsmaschine

Constructor baut die Delivery-Maschine. Rainmaker füllt die Pipeline. Auf dem Papier perfekt. In der Realität: tägliche Reibung.

Der Rainmaker verspricht dem Kunden Scope, den der Constructor nicht abbilden kann. Der Constructor bremst Deals, weil das System noch nicht steht. Beide denken, der andere versteht es nicht.

Aber genau deshalb funktioniert es. Der Rainmaker verhindert, dass der Constructor sich im Kontrollzwang verliert und ewig an internen Systemen feilt, während draußen keine Aufträge reinkommen. Der Constructor verhindert, dass der Rainmaker mehr verspricht, als die Agentur halten kann.

Typisches Bild: eine Agentur, die von 5 auf 20 Leute skaliert. Einer hat den Sales-Motor gebaut. Der andere die Delivery-Maschine. Von außen sieht es aus wie ein eingespieltes Team. Von innen: permanente Verhandlung über Kapazität, Scope und Timing.

Diese Reibung ist kein Bug. Sie ist das Feature.

Operator + Explorer: Premium mit Differenzierung

Der Operator sichert Qualität und Effizienz. Pünktliche Lieferung, saubere Prozesse, zufriedene Bestandskunden. Der Explorer treibt Innovation. Neue Formate, neue Positionierung, neue Märkte.

Die Reibung: Der Explorer will ständig Neues starten. Der Operator will Bestehendes perfektionieren. Der Explorer findet den Operator langweilig. Der Operator findet den Explorer anstrengend.

Warum es trotzdem funktioniert: Der Explorer verhindert die Commodity-Falle. Ohne ihn wird die Agentur austauschbar. Der Operator verhindert Chaos. Ohne ihn bleibt jede Innovation ein Prototyp, der nie beim Kunden ankommt.

Beispiel: eine Design-Agentur, die sich über innovative Konzepte differenziert, aber trotzdem pünktlich liefert. Der Explorer Unternehmertyp bringt die Ideen. Der Operator bringt die Umsetzung. Keiner könnte es allein.

Kombinationen die explodieren: gleicher Typ, gleiche blinde Flecken

Klingt logisch. Aber warum gründen dann so viele mit jemandem, der genauso tickt wie sie selbst?

Weil es sich gut anfühlt. Du verstehst dich sofort. Ihr seht die Welt gleich. Keine Grundsatzdiskussionen. Keine nervigen Kompromisse. Endlich jemand, der so denkt wie du.

Genau das ist das Problem.

Rainmaker + Rainmaker: Alle verkaufen, keiner liefert

Zwei Rainmaker Unternehmertypen in einer Agentur. Beide sind stark in Akquise und Beziehungen. Die Pipeline ist voll. Kunden kommen rein.

Und gehen wieder.

Kein System. Kein Prozess. Kein Quality Gate. Niemand ownt die Delivery-Seite. Projekte rutschen durch. Deadlines werden gerissen. Kunden beschweren sich. Und weil beide lieber verkaufen als aufräumen, wird die Situation nicht besser, sondern schlimmer.

Ergebnis: 60 Stunden Woche für beide Unternehmer, agency owner burnout vorprogrammiert. Nicht weil zu wenig Umsatz da ist. Sondern weil niemand die Arbeit macht, die keiner machen will.

Constructor + Constructor: Perfekte Systeme, null Wachstum

Zwei Constructors gründen eine Agentur. Die Prozesse sind makellos. Die Tools sind aufgesetzt. Die Dokumentation ist besser als bei mancher Behörde.

Und es gibt drei Kunden.

Kontrolle mal zwei ergibt Flaschenhals zum Quadrat. Jede Entscheidung wird durchanalysiert. Jeder neue Ansatz muss erst ins System passen, bevor er ausprobiert wird. Keiner greift zum Telefon.

Das sind Agentur Wachstumsprobleme, die sich nicht durch noch bessere Prozesse lösen lassen. Es fehlt nicht an Struktur. Es fehlt an jemandem, der Umsatz generiert.

Das Muster dahinter

Gleiche Typen verstärken Stärken UND blinde Flecken. Gleichzeitig.

Zwei Explorers haben tausend Ideen und keine Umsetzung. Zwei Operators haben perfekte Abläufe und null Innovation. Das Muster ist immer dasselbe: was keiner von beiden gerne macht, passiert nicht.

Es fühlt sich harmonisch an. Aber Harmonie ist nicht dasselbe wie Produktivität.

Die Frage ist: Wer in eurem Duo macht das, was keiner von euch gerne macht? Und wenn die Antwort "niemand" ist, habt ihr ein Problem, das kein Strategie-Meeting löst.

Die eine Frage, die Gründer-Duos nie stellen

Das Muster ist klar. Die Lösung ist eine einzige Frage.

„Welche Rolle in unserem Duo ist nicht besetzt und wer muss sie als nächstes füllen?"

Die meisten Gründer-Duos reden über Strategie, über Kunden, über Hires. Aber sie reden nie über ihre eigene Rollenverteilung. Sie machen „irgendwie alles". Keiner hat einen klaren Stuhl. Und genau deshalb gibt es Doppelarbeit, Reibung an den falschen Stellen und unterschwelligen Frust.

Wenn du wissen willst, wen du als nächstes einstellen sollst in deiner Agentur, musst du zuerst wissen, welche Rolle DU besetzt. Und welche dein Co-Founder besetzt. Erst dann siehst du die Lücke.

Das ist kein Bauchgefühl-Thema. Komplementarität lässt sich analysieren. Mit einem Agentur Gründer Stärken Test statt mit der dritten Strategiesession, die im Kreis dreht.

Was danach kommt: ein 90 Tage Plan als Agentur Gründer. Best Seat, damit du weißt, wo du hingehörst. Next-Hire-Profil, damit du weißt, wen du brauchst. Und ein 7-Tage-Sprint, damit du nicht drei Monate grübelst, sondern diese Woche anfängst.

Fazit: Reibung ist kein Bug

Gründer-Duos scheitern nicht an zu viel Unterschied. Sie scheitern an zu wenig Klarheit über ihre Unterschiede.

Komplementarität ist kein Nice-to-have. Sie ist die Grundlage für Duos, die länger als drei Jahre halten. Die Agenturen, die skalieren, sind nicht die mit den harmonischsten Gründern. Es sind die, in denen jeder seinen Stuhl kennt.

Reibung an den richtigen Stellen ist ein Feature. Reibung ohne Klarheit ist der Anfang vom Ende.

Du kannst raten. Oder du kannst es in 20 Minuten wissen.

Wenn du wissen willst, welcher Gründertyp du bist und wo die blinden Flecken in deinem Duo liegen: Der CORE Navigator zeigt dir deinen Best Seat, dein Next-Hire-Profil und einen 7-Tage-Sprint. Kein Coaching. Nur Klarheit.

Zum CORE Navigator Assessment →

FAQ: Gründer-Duos in Agenturen

Welche Gründertyp-Kombination funktioniert am besten in Agenturen? Constructor + Rainmaker ist die klassische Skalierungskombination: einer baut die Delivery-Maschine, der andere füllt die Pipeline. Operator + Explorer funktioniert für Premium-Positionierung mit Innovation. Entscheidend ist nicht welche Kombination, sondern dass beide Seiten abgedeckt sind.

Woran erkenne ich, dass mein Co-Founder und ich zu ähnlich sind? Wenn bestimmte Aufgaben in eurer Agentur systematisch liegen bleiben, obwohl ihr beide viel arbeitet. Typische Signale: Pipeline ist voll aber Delivery leidet (beide Rainmaker), oder Prozesse sind perfekt aber Wachstum stagniert (beide Constructors).

Ist ein Persönlichkeitstest wie DISC oder MBTI nicht ausreichend für Gründer-Duos? DISC und MBTI messen Persönlichkeitseigenschaften. Für Gründer-Duos brauchst du ein Modell, das unternehmerische Rollen abbildet: Wer baut, wer verkauft, wer optimiert, wer innoviert? Das CORE-Modell ist speziell für diese Frage gebaut.

Was tun, wenn mein Co-Founder und ich denselben Gründertyp haben? Identifiziert die Rolle, die keiner von euch besetzt. Das ist euer nächster Hire. Nicht noch jemand, der so denkt wie ihr, sondern jemand, der die blinden Flecken abdeckt. Ein Stärken-Assessment zeigt euch genau, welches Profil fehlt.

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Über den Autor

Joram Höfs
Joram Höfs

Gründer

Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.

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