"Bei dem hatte ich einfach ein gutes Gefühl." Diesen Satz habe ich von Agentur-Gründern öfter gehört als jeden anderen, wenn es um Einstellungen ging. Manchmal hat das Gefühl recht behalten. Oft nicht. Und das ist kein Zufall, sondern hat mit der Art zu tun, wie dein Bauch beim Einstellen arbeitet.
Denn dein Bauchgefühl ist nicht dumm. Es ist nur auf die falsche Frage trainiert. Es wählt zuverlässig die falsche Sache aus, weil sich diese falsche Sache jedes Mal richtig anfühlt.
Was dein Bauch beim Einstellen wirklich tut
Wenn du jemanden im Gespräch triffst und ein gutes Gefühl bekommst, misst dein Bauch fast immer zwei Dinge: Sympathie und Ähnlichkeit. Mag ich diese Person? Und tickt sie so wie ich?
Beides fühlt sich nach einem guten Zeichen an, und beides ist ein miserabler Ratgeber für eine Einstellung. Sympathie sagt dir, ob ihr einen netten Kaffee zusammen hättet. Sie sagt dir nichts darüber, ob dieser Mensch die Lücke in deinem Team schließt. Und Ähnlichkeit führt dich sogar aktiv in die Irre, wie gleich klar wird. Dein Bauch beantwortet also die Frage "Mag ich den?", während die eigentliche Frage "Brauche ich genau diesen Typ?" lautet. Zwei völlig verschiedene Dinge, die sich im Bewerbungsgespräch fast identisch anfühlen.
Warum du oft deine eigene Kopie einstellst
Hier wird es unangenehm. Menschen, die so denken wie du, wirken auf dich kompetent. Nicht weil sie es zwangsläufig sind, sondern weil du ihre Logik sofort verstehst. Sie kommen zu denselben Schlüssen wie du, sie priorisieren, wie du priorisierst, und genau das liest dein Bauch als Stärke.
Das Ergebnis ist, dass du dazu neigst, deine eigene Kopie einzustellen. Jemanden, der deine Stärken teilt und, das ist der Haken, auch deine blinden Flecken. Ein Gründer, der brillant verkauft, aber Prozesse hasst, holt sich noch jemanden, der brillant verkauft und Prozesse hasst. Und wundert sich, warum intern weiter alles brennt. Du verdoppelst damit nicht deine Schlagkraft, du verdoppelst deine Schieflage. Das Team wird homogener, nicht stärker.
Der Gap, den das Bauchgefühl nicht sieht
Das eigentliche Problem ist, dass dein Bauch die wichtigste Information gar nicht kennt. Er weiß nicht, welche Rolle deinem Team fehlt. Er kann es nicht wissen, weil er auf Sympathie und Ähnlichkeit schaut, nicht auf die Struktur deiner Firma.
Die fehlende Rolle ist unsichtbar, solange du nach Gefühl auswählst. Du siehst den sympathischen Kandidaten vor dir, du siehst den passenden Lebenslauf, aber du siehst nicht die Lücke, die eigentlich zu füllen wäre. Und was du nicht siehst, kannst du nicht besetzen. So stellst du am Ende die Person ein, die sich am besten anfühlt, statt der, die dein Team am dringendsten braucht. Der Gap bleibt, nur hast du jetzt ein Gehalt mehr auf der Lohnliste.
Was ein Fehlgriff kostet
Und dieser Gap ist teuer. Ein Fehlgriff summiert sich schnell zu einer ernsten Zahl, wenn du Recruiting, Einarbeitung und verlorene Projektzeit zusammenrechnest.
Schauen wir auf das, was sich wirklich belegen lässt. Für Deutschland haben Muehlemann und Pfeifer die Kosten einer Einstellung gemessen: im Schnitt 4.733 Euro, in Betrieben ohne Betriebsrat zwischen 3.291 und 4.435 Euro. Dazu kommt die Anlaufzeit von rund 3,75 Monaten, bis eine neue Person voll produktiv ist. Und Oxford Economics zeigt für Großbritannien, dass genau diese Anlaufzeit der größte Kostenblock ist, nicht das Recruiting.
Alle diese Zahlen messen allerdings, was eine ganz normale Besetzung kostet. Keine misst, was eine Fehlbesetzung kostet. Die nächste Zahl ist deshalb unsere eigene Rechnung, und sie ist als solche gekennzeichnet.
Rechnet man das auf eine Agentur mit 5 bis 30 Mitarbeitenden herunter, landet ein Fehlgriff schnell bei 20.000 bis 50.000 Euro pro Fall. Diese Spanne ist keine Studienzahl, sondern eine offengelegte Rechnung: Besetzungskosten plus die Anlaufzeit, die du bei einer Fehlbesetzung zweimal bezahlst, plus deine eigene Zeit, die in Korrektur statt in Wachstum fließt. Bei kleinen Teams tut das doppelt weh, weil eine einzelne Person hier ein spürbarer Anteil deiner Schlagkraft ist und weil an dir als Gründer ohnehin schon zu viel hängt. Die Rechnung im Detail.
Diagnose schlägt Bauchgefühl
Die gute Nachricht: Du musst dein Bauchgefühl nicht abschalten. Du musst ihm nur eine bessere Grundlage geben, bevor es entscheidet.
Statt im Gespräch zu spüren, ob jemand passt, klärst du vorher, wonach du überhaupt suchst. Ein Next-Hire-Profil macht genau das. Es leitet aus deinem eigenen Best Seat ab, welche Rolle du abgibst und welcher Typ die dadurch entstehende Lücke schließt. Damit machst du den Gap sichtbar, bevor du die Stelle überhaupt ausschreibst.
Der Unterschied ist gewaltig. Ohne Profil gehst du ins Gespräch und fragst dich "Mag ich den?". Mit Profil gehst du hinein und fragst "Ist das der Typ, den mein Team braucht?". Dein Bauchgefühl bewertet dann immer noch die Person, aber innerhalb der richtigen Rolle. Es entscheidet nicht mehr, wen du suchst, sondern nur noch, ob dieser konkrete Mensch das gesuchte Profil erfüllt. So wird aus einem Gefühl, das dich täuscht, ein Gefühl, das dir hilft.
Beim Einstellen wählt das Bauchgefühl Sympathie und Ähnlichkeit statt der fehlenden Rolle. So stellen Gründer ihre eigene Kopie ein und verdoppeln ihre blinden Flecken, statt sie zu schließen. Ein Next-Hire-Profil macht den Gap sichtbar, bevor die Stelle ausgeschrieben wird.
FAQ
Warum ist Bauchgefühl beim Einstellen riskant? Weil es zu Sympathie und Ähnlichkeit greift. Du wählst Menschen, die denken wie du, und übersiehst dabei die Rolle, die deinem Team wirklich fehlt. Das fühlt sich sicher an, verdoppelt aber deine blinden Flecken.
Was kostet eine falsche Einstellung? In einer Agentur summieren sich direkte und versteckte Kosten schnell auf einen fünfstelligen Betrag pro Fall, als Orientierung 20.000 bis 50.000 Euro. Das ist unsere eigene Rechnung, keine Studienzahl. Die gemessenen Bausteine dafür sind die Besetzungskosten von 3.291 bis 4.435 Euro je Einstellung in Betrieben ohne Betriebsrat (Muehlemann und Pfeifer 2016) und die Anlaufzeit von 3,75 Monaten, die bei einer Fehlbesetzung nie zu Ende geht.
Wie ersetze ich das Bauchgefühl durch etwas Belastbares? Durch ein Next-Hire-Profil, das aus deinem Best Seat ableitet, welchen Typ dein Team wirklich braucht. Dein Bauchgefühl bewertet dann nur noch, ob der Kandidat dieses Profil erfüllt, statt vorzugeben, wen du suchst.
Mach den Gap sichtbar, bevor du ausschreibst. Der kostenlose QuickCheck zeigt dir in rund 15 Minuten deinen Best Seat und einen ersten Hinweis auf deinen nächsten Hire. Das vollständige Next-Hire-Profil, mit dem du dein Bauchgefühl auf eine belastbare Grundlage stellst, findest du in der Premium-Auswertung.
Passende CORE-Seiten zu diesem Artikel
Über den Autor
Gründer
Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.
Weitere Beiträge von Joram Höfs