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Warum dein Bauchgefühl beim Einstellen dich täuscht (und was der Fehlgriff kostet)

Joram Höfs
Joram Höfs
6 Min. Lesezeit

"Bei dem hatte ich einfach ein gutes Gefühl." Diesen Satz habe ich von Agentur-Gründern öfter gehört als jeden anderen, wenn es um Einstellungen ging. Manchmal hat das Gefühl recht behalten. Oft nicht. Und das ist kein Zufall, sondern hat mit der Art zu tun, wie dein Bauch beim Einstellen arbeitet.

Denn dein Bauchgefühl ist nicht dumm. Es ist nur auf die falsche Frage trainiert. Es wählt zuverlässig die falsche Sache aus, weil sich diese falsche Sache jedes Mal richtig anfühlt.

Was dein Bauch beim Einstellen wirklich tut

Wenn du jemanden im Gespräch triffst und ein gutes Gefühl bekommst, misst dein Bauch fast immer zwei Dinge: Sympathie und Ähnlichkeit. Mag ich diese Person? Und tickt sie so wie ich?

Beides fühlt sich nach einem guten Zeichen an, und beides ist ein miserabler Ratgeber für eine Einstellung. Sympathie sagt dir, ob ihr einen netten Kaffee zusammen hättet. Sie sagt dir nichts darüber, ob dieser Mensch die Lücke in deinem Team schließt. Und Ähnlichkeit führt dich sogar aktiv in die Irre, wie gleich klar wird. Dein Bauch beantwortet also die Frage "Mag ich den?", während die eigentliche Frage "Brauche ich genau diesen Typ?" lautet. Zwei völlig verschiedene Dinge, die sich im Bewerbungsgespräch fast identisch anfühlen.

Warum du oft deine eigene Kopie einstellst

Hier wird es unangenehm. Menschen, die so denken wie du, wirken auf dich kompetent. Nicht weil sie es zwangsläufig sind, sondern weil du ihre Logik sofort verstehst. Sie kommen zu denselben Schlüssen wie du, sie priorisieren, wie du priorisierst, und genau das liest dein Bauch als Stärke.

Das Ergebnis ist, dass du dazu neigst, deine eigene Kopie einzustellen. Jemanden, der deine Stärken teilt und, das ist der Haken, auch deine blinden Flecken. Ein Gründer, der brillant verkauft, aber Prozesse hasst, holt sich noch jemanden, der brillant verkauft und Prozesse hasst. Und wundert sich, warum intern weiter alles brennt. Du verdoppelst damit nicht deine Schlagkraft, du verdoppelst deine Schieflage. Das Team wird homogener, nicht stärker.

Der Gap, den das Bauchgefühl nicht sieht

Das eigentliche Problem ist, dass dein Bauch die wichtigste Information gar nicht kennt. Er weiß nicht, welche Rolle deinem Team fehlt. Er kann es nicht wissen, weil er auf Sympathie und Ähnlichkeit schaut, nicht auf die Struktur deiner Firma.

Die fehlende Rolle ist unsichtbar, solange du nach Gefühl auswählst. Du siehst den sympathischen Kandidaten vor dir, du siehst den passenden Lebenslauf, aber du siehst nicht die Lücke, die eigentlich zu füllen wäre. Und was du nicht siehst, kannst du nicht besetzen. So stellst du am Ende die Person ein, die sich am besten anfühlt, statt der, die dein Team am dringendsten braucht. Der Gap bleibt, nur hast du jetzt ein Gehalt mehr auf der Lohnliste.

Was ein Fehlgriff kostet

Und dieser Gap ist teuer. Ein Fehlgriff summiert sich schnell zu einer ernsten Zahl, wenn du Recruiting, Einarbeitung und verlorene Projektzeit zusammenrechnest.

Schauen wir auf die belastbaren Belege. Das US-Arbeitsministerium setzt als konservative Untergrenze mindestens 30 Prozent des ersten Jahresgehalts an. Der Fachverband SHRM kommt je nach Rolle auf 50 bis 150 Prozent des Jahresgehalts. Und die am häufigsten zitierte Einzelstudie, die Untersuchung von Oxford Economics aus dem Jahr 2014, beziffert einen Ersatz-Hire in Großbritannien auf rund 30.000 GBP, wovon der größte Teil auf den Produktivitätsverlust während der Einarbeitung entfällt.

Rechnet man das auf eine Agentur mit fünf bis dreißig Mitarbeitenden herunter, landet ein Fehlgriff schnell bei 20.000 bis 50.000 Euro pro Fall. Diese Spanne ist keine einzelne Studienzahl, sondern eine ehrliche Rechnung: direkte Kosten plus der versteckte Produktivitätsverlust plus deine eigene Zeit, die in Korrektur statt in Wachstum fließt. Bei kleinen Teams tut das doppelt weh, weil eine einzelne Person hier ein spürbarer Anteil deiner Schlagkraft ist und weil an dir als Gründer ohnehin schon zu viel hängt.

Diagnose schlägt Bauchgefühl

Die gute Nachricht: Du musst dein Bauchgefühl nicht abschalten. Du musst ihm nur eine bessere Grundlage geben, bevor es entscheidet.

Statt im Gespräch zu spüren, ob jemand passt, klärst du vorher, wonach du überhaupt suchst. Ein Next-Hire-Profil macht genau das. Es leitet aus deinem eigenen Best Seat ab, welche Rolle du abgibst und welcher Typ die dadurch entstehende Lücke schließt. Damit machst du den Gap sichtbar, bevor du die Stelle überhaupt ausschreibst.

Der Unterschied ist gewaltig. Ohne Profil gehst du ins Gespräch und fragst dich "Mag ich den?". Mit Profil gehst du hinein und fragst "Ist das der Typ, den mein Team braucht?". Dein Bauchgefühl bewertet dann immer noch die Person, aber innerhalb der richtigen Rolle. Es entscheidet nicht mehr, wen du suchst, sondern nur noch, ob dieser konkrete Mensch das gesuchte Profil erfüllt. So wird aus einem Gefühl, das dich täuscht, ein Gefühl, das dir hilft.

Beim Einstellen wählt das Bauchgefühl Sympathie und Ähnlichkeit statt der fehlenden Rolle. So stellen Gründer ihre eigene Kopie ein und verdoppeln ihre blinden Flecken, statt sie zu schließen. Ein Next-Hire-Profil macht den Gap sichtbar, bevor die Stelle ausgeschrieben wird.

FAQ

Warum ist Bauchgefühl beim Einstellen riskant? Weil es zu Sympathie und Ähnlichkeit greift. Du wählst Menschen, die denken wie du, und übersiehst dabei die Rolle, die deinem Team wirklich fehlt. Das fühlt sich sicher an, verdoppelt aber deine blinden Flecken.

Was kostet eine falsche Einstellung? In einer Agentur summieren sich direkte und versteckte Kosten schnell auf einen fünfstelligen Betrag pro Fall, als Orientierung 20.000 bis 50.000 Euro. Diese Spanne ist eine Rechnung aus mehreren Benchmarks: der Untergrenze des US-Arbeitsministeriums von mindestens 30 Prozent des Jahresgehalts, der SHRM-Faustregel von 50 bis 150 Prozent und den rund 30.000 GBP je Ersatz-Hire bei Oxford Economics.

Wie ersetze ich das Bauchgefühl durch etwas Belastbares? Durch ein Next-Hire-Profil, das aus deinem Best Seat ableitet, welchen Typ dein Team wirklich braucht. Dein Bauchgefühl bewertet dann nur noch, ob der Kandidat dieses Profil erfüllt, statt vorzugeben, wen du suchst.


Mach den Gap sichtbar, bevor du ausschreibst. Der kostenlose QuickCheck zeigt dir in rund 20 Minuten deinen Best Seat und einen ersten Hinweis auf deinen nächsten Hire. Das vollständige Next-Hire-Profil, mit dem du dein Bauchgefühl auf eine belastbare Grundlage stellst, findest du in der Premium-Auswertung.

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Über den Autor

Joram Höfs
Joram Höfs

Gründer

Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.

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