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Warum dein Wachstumsproblem gar kein Marktproblem ist

Joram Höfs
Joram Höfs
6 Min. Lesezeit

Stell dir vor: 18 Mitarbeitende, volle Pipeline, Anfragen kommen rein ohne Kaltakquise. Klingt nach einer Agentur, die läuft. Trotzdem sitzt der Inhaber jeden Abend um 21 Uhr noch am Rechner, beantwortet Slack-Nachrichten, gibt Freigaben, schlichtet Konflikte zwischen Teams. 60 Stunden die Woche. Seit zwei Jahren kein echtes Wachstum mehr. Und das Gefühl: Wenn ich loslasse, fällt alles auseinander.

Das ist kein Einzelfall. Laut KfW-Mittelstandspanel sind rund 70 Prozent der Stagnationsursachen bei mittelständischen Unternehmen intern bedingt. Nicht der Markt bremst. Nicht die Konkurrenz. Es ist meistens etwas viel Näherliegendes.

Die bequeme Lüge vom schwierigen Markt

Wenn Wachstum stagniert, greifen Gründer reflexartig zu den üblichen Verdächtigen: schwierige Konjunktur, Fachkräftemangel, gesättigter Markt. Das sind reale Faktoren. Aber sie sind selten die Hauptursache.

Die GIM-Studie 2024 zeigt ein deutliches Bild: Die größten Wachstumshemmnisse im deutschen Mittelstand liegen in Führung, Priorisierung und interner Struktur. Die KfW-Daten bestätigen das. Unternehmen, die stagnieren, haben überwiegend ein internes Problem, kein externes.

Trotzdem halten viele Gründer an der Markt-Erzählung fest. Verständlich. Sie ist bequem. Sie verlagert die Verantwortung nach außen, wo man nichts ändern kann. Das fühlt sich sicherer an als der ehrliche Blick nach innen.

Aber wenn es nicht der Markt ist, was dann?

Der unsichtbare Engpass heißt: Du

Das Founder-Bottleneck-Phänomen

Im US-Startup-Diskurs ist der Begriff längst etabliert. NFX, Ascent CFO und andere sprechen offen darüber: Der Gründer selbst ist der häufigste Skalierungsengpass. Nicht weil er schlecht ist. Sondern weil seine Zeit endlich ist und alles über seinen Schreibtisch läuft.

Im DACH-Raum ist diese Diskussion kaum angekommen. Karl Hosang hat es bei iBusiness auf den Punkt gebracht: Gründer-Zeit ist die knappste Ressource in wachsenden Unternehmen. Die typische Wachstumsdecke bei 10 bis 20 Mitarbeitenden ist kein Zufall. Sie markiert die Kapazitätsgrenze einer einzelnen Person, die alles steuert.

Warum gute Auftragslage das Problem verschleiert

Volle Pipeline bedeutet nicht gesundes Wachstum. Wenn du als Gründer den ganzen Tag operativ unterwegs bist, Projekte steuerst, Kunden betreust, Angebote schreibst, dann fehlt dir die Zeit für strategische Arbeit. Für Positionierung. Für Teamstruktur. Für die Entscheidungen, die in sechs Monaten den Unterschied machen.

Das Tückische: Es fühlt sich produktiv an. Du bist beschäftigt. Dein Kalender ist voll. Aber du rennst auf einem Hamsterrad, nicht auf einer Startbahn.

Die Frage ist nicht, ob du arbeitest. Sondern woran.

Founder-Role Fit: Das Konzept, das im DACH fehlt

Im englischsprachigen Raum spricht man von Product-Market Fit. Von Founder-Market Fit. Aber es gibt einen Fit, der fast nie diskutiert wird: Founder-Role Fit. Die Frage, ob du als Gründer die Rolle ausfüllst, die dein Unternehmen gerade braucht. Oder ob du in einer Position feststeckst, die gegen deine Natur arbeitet.

Bei Core Navigator unterscheiden wir vier Unternehmer-Typen: Constructor baut Strukturen, Systeme und Unternehmen von Grund auf. Seine Stärke ist der Aufbau. Sein Risiko: Kontrollzwang, der ihn zum Flaschenhals macht. In der Praxis: Der Agentur-Gründer, der jedes Briefing selbst schreibt, jedes Design abnimmt und jeden Projektplan persönlich erstellt. Die Agentur kann nur so viele Projekte stemmen, wie sein Kalender hergibt.

Operator optimiert, skaliert und führt bestehende Strukturen. Seine Stärke ist Effizienz. Sein Risiko: Er verliert sich in Prozessen und vergisst das Wachstum. Typisch: Der Geschäftsführer einer 15-Personen-Agentur, der sein drittes Projektmanagement-Tool einführt, während seit acht Monaten kein neues Angebot auf dem Markt war. Perfekte Prozesse, null Bewegung.

Rainmaker generiert Deals, Beziehungen und Umsatz. Seine Stärke ist Vertrieb und Netzwerk. Sein Risiko: Wenn er ins Management wechselt, bricht der Umsatz ein. Das klassische Bild: Der Vertriebsstarke, der plötzlich Timesheets prüft, Urlaubsanträge freigibt und in Jour-fixe-Meetings sitzt, statt Kunden zu treffen. Drei Monate später fragt sich das Team, warum keine neuen Projekte reinkommen.

Explorer treibt Innovation, neue Ideen und Marktchancen. Seine Stärke ist Disruption. Sein Risiko: In operativen Führungsrollen wird er toxisch. Erkennbar an: Der Gründer, der alle sechs Wochen die Agentur-Positionierung ändert, ein neues Geschäftsfeld ausruft und das Team mit ständigen Richtungswechseln erschöpft, weil er sich in der Tagessteuerung nicht wohlfühlt und in Strategie flüchtet.

Kein Typ ist besser als der andere. Aber jeder Typ hat einen blinden Fleck. Und wenn du als Rainmaker versuchst, Prozesse zu bauen, oder als Constructor den Vertrieb machst, passiert etwas Seltsames: Du arbeitest hart, aber das Unternehmen bewegt sich nicht.

Das ist der Wrong-Seat-Effekt. Kein Führungsproblem. Ein DNA-Problem. Wie findest du heraus, wo du falsch sitzt?

Symptome, dass du auf dem falschen Stuhl sitzt

Du bist der Engpass für jede Entscheidung

Dein Team wartet auf dich. Für Freigaben, für Richtungsentscheidungen, für Feedback. Nicht weil sie nicht könnten, sondern weil du das System so gebaut hast, dass alles über dich laufen muss. Du wolltest Kontrolle. Du hast einen Flaschenhals bekommen.

Dein Team wächst, aber die Probleme bleiben gleich

Du hast eingestellt. Mehr Leute, mehr Kapazität. Trotzdem die gleichen Engpässe, die gleichen Eskalationen. Das liegt selten am Team. Es liegt daran, dass du deine eigene Rolle nicht verändert hast, als das Unternehmen gewachsen ist.

Du arbeitest mehr, aber das Ergebnis skaliert nicht mit

Deine Stunden steigen. Dein Umsatz nicht. Das ist das deutlichste Signal: Du steckst in einer Rolle, deren Output nicht mit deinem Input skaliert. Ein Rainmaker, der Projektmanagement macht, wird nie so produktiv wie ein Operator in derselben Rolle. Nicht weil er weniger leistet. Sondern weil er gegen seinen Typ arbeitet.

Was du jetzt tun kannst

Erste Bestandsaufnahme: Schreib eine Woche lang auf, womit du deine Arbeitszeit verbringst. Nicht grob. Konkret. Halbstundenweise. Die meisten Gründer sind überrascht, wie wenig ihrer Zeit auf ihrer eigentlichen Stärke liegt.

Dann: Finde deinen Typ. Nicht als Persönlichkeitstest für die Schublade, sondern als strategisches Werkzeug. Wenn du weißt, ob du Constructor, Operator, Rainmaker oder Explorer bist, weißt du auch, welche Rolle du abgeben musst. Und wen du als nächstes einstellen solltest.

Finde in ca. 20 Minuten heraus, welcher Unternehmer-Typ du bist: Core Navigator Self-Assessment starten Aber das Assessment ist nur der Anfang. Dein Typ verrät dir nicht nur, wo du gerade feststeckst. Er zeigt dir, wie dein Unternehmen in 12 Monaten aussehen kann, wenn du den richtigen Stuhl einnimmst. Eine Agentur, in der du nicht mehr der Engpass bist. In der dein Team Entscheidungen trifft, ohne auf deine Freigabe zu warten. In der du deine Energie dort einsetzt, wo sie den größten Hebel hat. Nicht 60-Stunden-Wochen mit dem Gefühl, auf der Stelle zu treten. Sondern fokussierte Arbeit an dem, was nur du kannst.

Dein Wachstumsproblem ist wahrscheinlich kein Marktproblem. Es ist ein Fit-Problem. Und Fit-Probleme lassen sich lösen. Aber nur, wenn du bereit bist, ehrlich hinzuschauen.

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Über den Autor

Joram Höfs
Joram Höfs

Gründer

Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.

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