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Innere Spannungen: Wenn zwei starke Seiten in dir gegeneinander ziehen

Joram Höfs
Joram Höfs
6 Min. Lesezeit

Kennst du das Gefühl, dir selbst im Weg zu stehen? Nicht weil dir etwas fehlt, sondern weil zu viel gleichzeitig da ist. Du willst schnell entscheiden und gleichzeitig gründlich sein. Du willst abgeben und behältst trotzdem alles in der Hand. Zwei starke Seiten in dir, und statt sich zu ergänzen, ziehen sie in verschiedene Richtungen.

Das ist kein Charakterfehler und kein Motivationsproblem. Es ist eine innere Spannung. Und sie kostet dich jeden Tag Energie und Tempo, ohne dass du sie je auf die Rechnung setzt.

Warum zu viel Stärke dich langsamer macht als zu wenig

Die meisten Menschen denken bei Stärken an eine Rangliste. Vorne das, was du gut kannst, hinten das, was dir schwerfällt. So funktioniert ein Mensch aber nicht. Es kann gut sein, dass zwei deiner starken Seiten fast gleich stark sind. Und genau dann fängt der Ärger an.

Solange eine Seite klar den Ton angibt, ist die Sache einfach. Sie gibt die Richtung vor, der Rest ordnet sich unter. Sobald aber zwei starke Seiten ähnlich laut sind, ringen sie bei jeder Entscheidung um denselben Platz. Dein Drang zu strukturieren und dein Drang, sofort loszulegen, laufen beide auf voller Lautstärke. Beide wollen recht behalten. Und du bezahlst die Differenz in Energie und Zeit.

Deshalb blockieren dich innere Spannungen nicht, weil dir Stärke fehlt. Sie blockieren dich, weil zu viel ungesteuerte Stärke gegeneinander läuft. Das ist der Punkt, den fast niemand versteht. Du hängst nicht, weil du zu wenig kannst. Du hängst, weil du zwei Dinge sehr gut kannst und beide gleichzeitig ziehen.

Was dich die stille Reibung wirklich kostet

Diese Reibung taucht in keiner Auswertung als Zahl auf. Aber du spürst sie überall. Bei bestimmten Entscheidungen brauchst du dreimal so lange wie bei anderen, ohne zu wissen, warum. Du drehst dich im Kreis, kommst zu einem Schluss, kippst ihn wieder, fängst von vorn an. Am Abend bist du erschöpft und kannst nicht sagen, was du eigentlich geschafft hast.

Für einen Agentur-Gründer ist das teuer. Nicht weil du faul wärst, im Gegenteil. Du arbeitest doppelt, weil zwei Teile von dir dieselbe Frage immer wieder neu verhandeln. Genau die Entscheidungen, die dein Business voranbringen sollten, sind die, an denen du am längsten festhängst. Und je wichtiger die Entscheidung, desto lauter werden beide Seiten.

Die meisten Auswertungen verschweigen genau das

Die meisten Stärken-Tests glätten so etwas weg. Sie nennen dir deine Top-Eigenschaften und schweigen über die Reibung dazwischen, weil ein widerspruchsfreies Ergebnis sich besser anfühlt und leichter verkauft. Ein sauberes Profil, auf dem alles zusammenpasst. Nur hilft dir das kein bisschen, wenn genau diese Reibung dein Alltag ist.

Ehrlicher ist der umgekehrte Weg. Nicht die widersprüchlichen Seiten wegrunden, sondern sie beim Namen nennen. Wenn zwei deiner starken Seiten nah beieinander liegen und beide hoch, dann sitzt da eine Spannung, die dich Kraft kostet. Das ist unbequemer als ein glattes Stärkenprofil. Aber nur damit kannst du überhaupt etwas anfangen.

Spannung ist ungenutzte Kraft, kein Defekt

Jetzt der Teil, den kaum jemand sagt. Eine hohe innere Spannung ist keine Schwäche. Sie ist ungenutzte Kraft. Zwei starke Seiten bedeuten, dass du über beide verfügst, nicht nur über eine. Das Problem ist nie die Spannung selbst, sondern dass sie unerkannt läuft. Was du nicht siehst, kannst du nicht steuern. Was du benennen kannst, wird zur Wahl statt zum Dauerkonflikt.

Typische Spannungsmuster bei Gründern

Ein paar Muster sehe ich bei Agentur-Gründern immer wieder.

Struktur gegen Tempo. Du willst ein sauberes System und gleichzeitig diese Woche liefern. Jede Aufgabe wird zum inneren Aushandeln, ob du es richtig machst oder schnell. Beides ist dir echt wichtig, und genau deshalb bremst du dich aus.

Kontrolle gegen Delegation. Du weißt, dass du abgeben musst, und dein Anspruch an das Ergebnis zieht die Aufgabe trotzdem zurück auf deinen Tisch. Nicht weil du niemandem traust, sondern weil zwei starke Seiten in dir sich nicht einig werden, wie viel Loslassen erlaubt ist.

Du erkennst solche Muster daran, dass du bei bestimmten Entscheidungen immer wieder hängst. Nicht bei allen. Immer bei denselben. Genau dort sitzt eine Spannung.

Von der Blockade zur Steuerung

Der Unterschied zwischen einer Spannung, die dich lähmt, und einer, die dich stark macht, ist nicht ihre Höhe. Es ist, ob du sie bewusst führst.

Sobald du weißt, dass bei dir Struktur und Tempo gleich laut sind, hörst du auf, jede Entscheidung neu auszufechten. Du legst vorher fest, wann welche Seite den Vortritt hat. Beim Angebot an einen Großkunden gewinnt die Gründlichkeit. Beim internen Test gewinnt das Tempo. Die Spannung ist noch da, aber sie kostet dich nichts mehr, weil du die Regel gesetzt hast, statt sie jedes Mal im Kopf zu verhandeln. Das ist der ganze Sprung. Von unbewusstem Dauerkonflikt zu einer bewussten Entscheidung, die zehn Sekunden dauert statt einen halben Tag.

Genau deshalb lohnt es sich, deine Spannungen zu kennen. Nicht um sie loszuwerden, das geht nicht und wäre auch schade. Sondern um sie zu führen, statt von ihnen geführt zu werden.

Innere Spannungen entstehen, wenn zwei starke Seiten in dir ähnlich laut sind und um dieselben Entscheidungen ringen. Sie bremsen dich nicht wegen fehlender Stärke, sondern wegen ungesteuerter Stärke. Wer seine Spannungen kennt und Vorfahrtsregeln setzt, entscheidet in Sekunden, wofür er vorher Stunden gebraucht hat.

FAQ

Was ist eine innere Spannung? Zwei starke Seiten in dir sind ähnlich stark und ziehen bei denselben Entscheidungen in verschiedene Richtungen. Das kostet Energie und Tempo, obwohl jede Seite für sich eine echte Stärke ist. Du stehst dir nicht im Weg, weil dir etwas fehlt, sondern weil zu viel gleichzeitig zieht.

Ist eine hohe innere Spannung schlecht? Nein. Sie zeigt ungenutzte Kraft. Erst wenn sie unerkannt bleibt, blockiert sie. Bewusst gesteuert wird aus ihr ein Vorteil, weil du dann über zwei starke Seiten verfügst statt nur über eine.

Wie höre ich auf, mich selbst zu bremsen? Indem du deine Spannung benennst und vorher entscheidest, wann welche Seite Vorrang hat. Beim wichtigen Angebot gewinnt die Gründlichkeit, beim internen Test das Tempo. Die Regel steht einmal, statt bei jeder Entscheidung neu verhandelt zu werden.


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Über den Autor

Joram Höfs
Joram Höfs

Gründer

Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.

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