Frag einen Gründer, warum er sich für seinen Mitgründer entschieden hat, und du hörst fast immer dieselbe Antwort: "Es hat sofort gepasst. Wir mussten uns nichts erklären."
Das klingt nach dem besten Grund überhaupt. Oft ist es der schlechteste. Was sich im ersten Gespräch sofort richtig anfühlt, ist meistens das, was du schon kennst: deine eigene Stärke, gespiegelt im Gegenüber.
Ob du überhaupt einen Partner brauchst, ist eine eigene Frage, die steht in Allein gründen oder zu zweit? Die Frage, die vor der Partnersuche kommt. Hier geht es um den Moment danach: Du suchst, und du hast schon jemanden im Blick.
Du prüfst mit dem Maßstab deines eigenen Stuhls
Jeder Gründer bringt einen Maßstab mit ins erste Gespräch, und er merkt es selten. Es ist der Maßstab seines eigenen Stuhls. Wer gleich arbeitet, braucht weniger Erklärung, und weniger Erklärung fühlt sich nach Vertrauen an. Ein Gründer, der gern verkauft, achtet darauf, wie jemand im Raum wirkt. Ein Gründer, der gern baut, achtet darauf, wie gründlich jemand denkt. Beide finden, was sie suchen. Und beide übersehen, was ihrer Firma fehlt.
Im CORE-Modell heißen die 4 unternehmerischen Rollen Constructor, Operator, Rainmaker und Explorer. Jeder Typ hat bei der Partnerwahl eine typische Schlagseite. Das ist eine Tendenz, und wer sie kennt, kann gegensteuern.
Constructor: Der Blick fällt auf Gründlichkeit
Der Constructor baut Systeme und Strukturen. Er traut Menschen, die sauber arbeiten und Dinge zu Ende denken. Im ersten Gespräch mit einem Kandidaten fragt er nach Abläufen und nach dem Plan. Wer dabei glänzt, hat ihn gewonnen.
Das fühlt sich vernünftig an. Nur sucht er damit jemanden, der seine eigene Stärke bestätigt. Was ihm im Alltag schwerfällt, nämlich Nachfrage zu erzeugen und auch mal ohne fertigen Plan loszugehen, prüft er gar nicht erst, weil es ihm verdächtig vorkommt. Der laute, spontane Kandidat fällt bei ihm durch, bevor er zeigen konnte, was er kann.
Die bessere Frage für den Constructor: Welche Arbeit schiebe ich seit Monaten vor mir her, und macht dieser Mensch sie gern?
Operator: Der Blick fällt auf Verlässlichkeit
Der Operator nimmt Bestehendes und macht es besser. Er sucht einen Partner, auf den er sich verlassen kann: jemanden, der Zusagen hält und nicht jede Woche eine neue Richtung ausruft.
Verlässlichkeit ist viel wert. Als einziges Kriterium führt sie aber zu einem Partner, der denselben Betrieb noch ein Stück glatter macht. Was der Operator von sich aus selten anstößt, sind neue Angebote und neue Nachfrage. Genau die Unruhe, die ihn an manchen Kandidaten stört, wäre oft das, was der Firma fehlt.
Die bessere Frage für den Operator: Wer sorgt bei uns dafür, dass Neues entsteht, auch wenn es mir anfangs Unruhe macht?
Rainmaker: Der Blick fällt auf Chemie
Der Rainmaker gewinnt Menschen im Gespräch, und genau dort entscheidet er auch über seinen Partner. Wer Energie mitbringt und im Raum wirkt, hat bei ihm gewonnen. Das erste Treffen ist sein Spielfeld, also verlässt er sich darauf.
Gute Chemie im ersten Gespräch sagt aber wenig darüber, wer nach 8 Monaten die Lieferung im Griff hat. Der Rainmaker wählt gern jemanden, der ihm ähnlich ist, oder jemanden, der ihn bewundert. Beides fühlt sich großartig an. Keins von beiden schließt die Lücke hinter der Front.
Die bessere Frage für den Rainmaker: Wer hält, was ich verspreche, und widerspricht mir, bevor ich unterschreibe?
Explorer: Der Blick fällt auf Begeisterung
Der Explorer sieht Chancen, bevor andere sie sehen. Er sucht einen Partner, mit dem er Ideen weiterdenken kann, einen Sparringspartner, der sofort anspringt, wenn er eine neue Richtung skizziert.
Mit so jemandem fühlt sich jedes Gespräch wie ein Aufbruch an. Am Ende haben zwei Menschen doppelt so viele Ideen und niemanden, der eine davon zu Ende bringt. Der Explorer übersieht leicht den Kandidaten, der nach dem dritten Satz fragt: "Und wer macht das bis Freitag?" Genau diese Frage hätte er gebraucht.
Die bessere Frage für den Explorer: Wer bringt zu Ende, was ich anfange, und hat dabei echtes Mitspracherecht?
Typ ist eine Tendenz, kein Paarungsgesetz
Aus diesen 4 Schlagseiten folgt keine Tabelle nach dem Muster "Typ X passt zu Typ Y". So einfach ist es nicht. In jedem Unternehmer stecken alle 4 Typen, nur unterschiedlich stark. Zwei Constructors können völlig verschieden arbeiten, je nachdem, wie ausgeprägt der Typ bei jedem ist und welche Seite daneben steht. Warum ein gleiches Label noch keinen Match beweist, steht in Gleicher Typ, andere Ausprägung: Warum ein Typ-Label keinen Partner-Match beweist.
Es gibt auch den umgekehrten Fehler. Manche Gründer kennen ihre Lücke und suchen bewusst das Gegenteil. Dann wird der Partner zum Reparaturauftrag: Er soll erledigen, was man selbst nicht mag, bekommt aber keine echte Stimme. Das geht selten lange gut. Ein Mitgründer, der nur Lücken füllt, ist in Wahrheit ein Mitarbeiter mit Anteilen, und irgendwann merkt er das.
Was zählt, ist deshalb weniger der Typ des anderen als die Frage, welcher Stuhl in eurer Firma leer bleibt, wenn ihr beide eure Lieblingsarbeit macht. Welche Kombinationen in bestehenden Duos funktionieren und wo sie reiben, zeigt Gründer-Duos in Agenturen.
Bei der Partnerwahl sucht jeder CORE Type gern die eigene Stärke im Gegenüber wieder. Die bessere Frage lautet nicht, wer zu mir passt, sondern welcher Stuhl in unserer Firma leer bleibt, wenn wir beide tun, was wir am liebsten tun.
FAQ
Welcher Mitgründer passt zu mir? Einer, der den Stuhl besetzt, den du freilässt, und dabei auf Augenhöhe mitentscheidet. Einen festen Typ, der immer zu deinem passt, gibt es nicht. Es kommt darauf an, wie stark die Typen bei euch beiden ausgeprägt sind und welche Arbeit sonst liegen bleibt.
Sollte mein Mitgründer ein anderer CORE Type sein als ich? Nicht zwingend. Zwei Gründer mit demselben Typ können gut zusammenarbeiten, wenn sie die Lücke bewusst anders schließen, zum Beispiel mit einem frühen Hire. Riskant wird es, wenn beide dieselbe Arbeit lieben und dieselbe Arbeit schieben.
Woran erkenne ich, dass ich einen Partner nach Sympathie auswähle? Wenn du nach dem ersten Treffen vor allem sagen kannst, wie gut ihr euch verstanden habt, aber nicht, welche Arbeit er übernimmt, die du nicht machen willst. Sympathie ist ein guter Start. Als Auswahlkriterium reicht sie nicht.
Kenn deinen eigenen Typ, bevor du einen Partner suchst. Welcher Typ bei dir vorne liegt, zeigt der kostenlose QuickCheck. Er startet in Kürze, auf der Warteliste bist du beim Start dabei. Du bekommst deinen Best Seat und dein CORE-Profil, und damit einen klaren Blick auf die Arbeit, die du jemand anderem überlassen solltest. Bis dahin findest du alle 4 Typen in der Übersicht der CORE Types.
Über den Autor
Gründer
Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.
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