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Bevor ihr Gesellschafter werdet: 5 unbequeme Fragen, die ins erste Gespräch gehören

Joram Höfs
Joram Höfs
7 Min. Lesezeit

Ihr sitzt seit zwei Stunden zusammen, der Kaffee ist kalt, und es fühlt sich an wie das beste Gespräch seit Monaten. Ihr seht denselben Markt und lacht über dieselben Kunden. Am Ende sagt einer: "Lass uns das machen." Drei Wochen später sitzt ihr beim Notar.

Was in diesen zwei Stunden fast nie passiert: Jemand prüft, ob die Stühle passen. Man kennt sich und fängt an. Geprüft wird die Passung erst, wenn es kracht.

Ein Gesellschafter ist kein Hire mit Anteilen

Einen Mitarbeiter auf dem falschen Stuhl kannst du korrigieren. Das kostet Geld und Nerven, wie teuer genau, haben wir in der Rechnung zur Fehlbesetzung offengelegt. Aber es geht. Du besetzt um oder trennst dich.

Bei einem Gesellschafter ist das anders. Er steht im Gesellschaftsvertrag, er stimmt über die Richtung mit ab, und er geht nicht, nur weil du es dir wünschst. Wie ein Ausstieg läuft, regelt vor allem der Vertrag. Steht dort wenig, geht es gegen seinen Willen meist nur aus wichtigem Grund. Und dieser Vertrag wurde meistens in der Phase geschrieben, in der beide noch dachten, das werde nie ein Thema.

Genau deshalb ist das erste Gespräch der günstigste Moment für unbequeme Fragen. Später kosten dieselben Fragen ein Vielfaches, manchmal sogar eine Freundschaft.

So setzt du das erste Gespräch auf

Das Gespräch über die Passung ist kein Verhör und kein Bewerbungsgespräch. Ihr prüft euch gegenseitig, auf Augenhöhe. Ein paar Regeln helfen.

Trennt es vom Business-Plan. Wenn ihr gleichzeitig über Preise und Passung redet, gewinnt immer der Business-Plan, weil er sich nach Fortschritt anfühlt. Nehmt euch einen eigenen Termin, nur für euch beide.

Antwortet mit Situationen, nicht mit Adjektiven. "Ich bin teamfähig" sagt nichts. "Als mein letztes Projekt gekippt ist, habe ich am selben Abend den Kunden angerufen" sagt eine Menge.

Schreibt mit. Jeder notiert die Antworten des anderen in eigenen Worten und liest sie danach vor. Wo die Zusammenfassung nicht stimmt, habt ihr das erste Missverständnis gefunden, bevor es etwas kostet.

Und lasst die Anteile draußen. Wer früh über Prozente redet, verhandelt, statt zu prüfen. Die Prozente kommen später, wenn klar ist, wer welchen Stuhl besetzt. Warum diese Reihenfolge so viel Streit spart, steht in Erst die Stühle, dann die Prozente: Warum Anteilsgespräche am falschen Ende anfangen.

Die 5 Prüffragen

1. Passt die Person zu mir?

Gemeint ist nicht Sympathie. Sympathie ist der Grund, warum ihr überhaupt redet. Gemeint ist: Willst du mit diesem Menschen auch im schlechtesten Quartal der nächsten 5 Jahre am Tisch sitzen? Wenn der größte Kunde kündigt und das Konto leer wird?

So fragst du es: "Erzähl mir von deiner schwierigsten Zusammenarbeit. Was hat der andere gemacht, und was hast du gemacht?" Achte darauf, ob dein Gegenüber einen Anteil an der Geschichte für sich selbst findet. Wer in jeder Geschichte nur Opfer ist, wird es in eurer auch sein.

2. Stimmt die unternehmerische DNA?

Jeder Gründer hat einen Stuhl, auf dem er am stärksten ist. Der eine baut Systeme, der andere optimiert, der dritte verkauft, der vierte sucht das Neue. Im CORE-Modell heißen diese Rollen Constructor, Operator, Rainmaker und Explorer. In jedem Unternehmer stecken alle 4, aber unterschiedlich stark.

So fragst du es: "Bei welcher Arbeit vergisst du die Zeit, und welche schiebst du seit Wochen vor dir her?" Die zweite Hälfte der Antwort ist die wichtigere. Sie zeigt dir, welcher Stuhl in eurer Firma leer bleibt, wenn ihr beide dieselbe Arbeit schiebt.

3. Ergänzen sich die Fähigkeiten oder verdoppeln sie sich?

Diese Frage wird gern übersprungen, weil sich Verdopplung so gut anfühlt. Zwei Menschen, die gleich denken, verstehen sich sofort. Sie haben aber auch dieselben blinden Flecken. Was beide nicht gern machen, macht dann niemand. Wie das in bestehenden Gründerduos aussieht, haben wir in Gründer-Duos in Agenturen beschrieben.

So fragst du es: "Welche Aufgabe soll in unserer Firma nie bei dir landen?" Legt eure Antworten nebeneinander. Steht zweimal dasselbe da, habt ihr eure erste Lücke gefunden.

4. Passt es charakterlich?

Charakter zeigt sich selten im Gespräch über die Zukunft, eher im Umgang mit Fehlern und mit Zusagen. Wie redet dein Gegenüber über frühere Partner und Mitarbeiter? Hält er kleine Zusagen, schon vor der Gründung?

So fragst du es: "Wann hast du zuletzt ein Versprechen gebrochen, und wie hast du es geklärt?" Wer keine Antwort findet, hat entweder ein sehr kurzes Gedächtnis oder ein Problem mit der Frage. Beides solltest du wissen.

5. Stimmt das Wertesystem überein?

Auf ein Ziel einigt ihr euch leicht. Gestritten wird über den Weg dorthin, weil jeder mit einem anderen Maßstab misst, was richtig ist. Der eine will Sicherheit, der andere Tempo. Der eine findet einen lukrativen Auftrag gut, den der andere ablehnen würde. Unter Druck wird dieser Unterschied größer, nicht kleiner. Mehr dazu in Gleiche Vision, andere Werte: Warum Gesellschafter an derselben Entscheidung zerbrechen.

So fragst du es: "Welchen Auftrag würdest du ablehnen, auch wenn wir das Geld dringend brauchen?" Und umgekehrt: "Wofür würdest du ein Jahr ohne Gewinn in Kauf nehmen?"

Woran du merkst, dass ihr den Fragen ausweicht

Manche Gespräche fühlen sich gut an, weil sie nichts prüfen. Ein paar Sätze sind verlässliche Warnsignale.

"Das klären wir später." Später heißt fast immer: wenn es schon wehtut.

"Bei uns ist das anders, wir sind ja Freunde." Freundschaft macht den Start leicht und die Trennung schwer, mehr dazu in Mit Freunden gründen: Warum Freundschaft kein Passungsbeweis ist. Sie ersetzt die Prüfung nicht.

"Über Geld reden wir, wenn welches da ist." Dann redet ihr zum ersten Mal darüber, wenn einer von euch es dringend braucht.

"Hauptsache, wir legen los." Tempo ist gut. Tempo ohne geklärte Stühle heißt, dass ihr beide alles macht und keiner etwas ganz.

Wenn einer von euch bei einer der 5 Prüffragen ausweicht, ist das kein Ausschlussgrund. Es ist der Punkt, an dem ihr länger reden solltet, nicht kürzer.

Vom Gespräch zum Gesellschaftsvertrag

Die Prüffragen ersetzen keinen Vertrag, und kein Vertrag ersetzt sie. Was ihr im Gespräch herausfindet, gehört in die Vorbereitung des Vertrags: wer welche Entscheidungen trifft und wie einer von euch aussteigen kann, ohne die Firma mitzunehmen.

Diese Punkte gehören in die Hände einer Fachberatung für Gesellschaftsrecht und Steuern. Dieser Artikel ist keine Rechts- oder Steuerberatung. Was für euch gilt, hängt von Rechtsform und Land ab, und das klärt ihr mit Anwalt und Steuerberatung. Der Artikel sorgt nur dafür, dass ihr mit geklärten Stühlen zum Notar geht und nicht mit einem guten Gefühl.

Wer die Stühle schriftlich verteilen will, findet die Vorlage in Wer entscheidet was? Eine Stuhlkarte für Gründerduos.

Ein Gesellschafter ist die schwerste Personalentscheidung einer Firma, weil du sie kaum korrigieren kannst. Die Passung gehört deshalb vor die Unterschrift unter den Gesellschaftsvertrag: Passt die Person, stimmt die unternehmerische DNA, ergänzen sich die Fähigkeiten, passt der Charakter und stimmt das Wertesystem.

FAQ

Worauf sollte ich achten, bevor ich Gesellschafter werde? Auf die Passung, bevor es um Anteile geht. Klärt im ersten Gespräch, ob ihr zueinander passt, welchen Stuhl jeder von euch natürlich besetzt, ob sich eure Fähigkeiten ergänzen, wie der andere mit Fehlern und Zusagen umgeht und ob ihr mit demselben Maßstab entscheidet.

Kann ich einen Mitgründer vorher testen? Ein gemeinsames Projekt vor der Gründung zeigt mehr als jedes Gespräch, weil ihr echte Entscheidungen zusammen trefft. Lasst es aber über eine bestehende Firma laufen oder klärt vorher, wer Vertragspartner ist. Tretet ihr gemeinsam auf, etwa mit einem gemeinsamen Angebot oder einer gemeinsamen Rechnung, kann schon eine GbR entstehen, und für deren Schulden haftet ihr beide persönlich. Wichtig ist außerdem, dass jeder vorher seinen eigenen Stuhl kennt. Sonst testet ihr nur, ob ihr euch mögt.

Wann sollten wir über die Anteile sprechen? Nachdem klar ist, wer welchen Beitrag dauerhaft leistet. Wer mit den Prozenten anfängt, verhandelt, bevor er weiß, worüber. Für die Vertragsfragen holt ihr euch eine Fachberatung.


Kenn deinen eigenen Stuhl, bevor du einen Partner prüfst. Der kostenlose QuickCheck startet in Kürze, auf der Warteliste bist du beim Start dabei. Er zeigt dir deinen Best Seat und dein CORE-Profil. Jeder von euch macht ihn für sich, und danach redet ihr über Ergebnisse statt über Bauchgefühl.

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Über den Autor

Joram Höfs
Joram Höfs

Gründer

Joram Höfs ist Gründer von CORE-Navigator. Mit über einem Jahrzehnt Erfahrung in der Unternehmensberatung und Persönlichkeitsdiagnostik hat er es sich zur Mission gemacht, datenbasierte Werkzeuge zu entwickeln, die Unternehmern helfen, ihre einzigartige DNA zu verstehen und gezielt einzusetzen.

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